Short Cuts „Ästhetik und Politik”

Bei den Short Cuts stellten in kurzen Impulsvorträgen drei  Gruppen ihre Projekte beziehungsweise ihre Praktiken vor. Nach jedem Impuls gab es die Möglichkeit, Fragen zu stellen und in eine Diskussion einzusteigen.

Herbordt/Mohren „Publikum und Öffentlichkeit(en)

Herbordt/Mohren realisieren interdisziplinäre Arbeiten im Grenzbereich der Darstellenden Künste. Unter dem Titel „Publikum und Öffentlichkeit(en)“ berichtet Melanie Mohren in den Short Cuts über ihre Arbeit in leerstehenden Orten – von der Scheune bis zum Rathaus. Mit ihren Arbeiten analysieren sie Konzeptionen von Öffentlichkeit und hinterfragen gängige Definitionen. Wenn Michel De Certeau in Kunst des Handelns zwischen Ort und Raum unterscheidet, dann löst er feste geografische Bezüge wie Gebäude, Straßen und Landschaften von ihren Räumen, die sich durch menschliche Praktiken auszeichnen. Für De Certeau ist Raum Praxis. Herbordt/Mohren fragen und forschen mit Praktiken on location nach verschiedenen Konzepten von Teilöffentlichkeiten. Für sie werden Leerstände und leere Orte zu Möglichkeitsräumen. Im Short Cut stellt Melanie Mohren unter anderem die Projekte „Das Publikum“
und „Das Theater“ vor.

http://die-institution.org/index.php/geschichte/2015-das-publikum/

http://die-institution.org/index.php/geschichte/2015-das-theater/

Diese Arbeiten zeigen, wie uneindeutig Definitionen von Publikum und Raum in der Darstellenden Kunst heute sind. Dabei hinterlassen Herbordt/Mohren auch Spuren an ihren Spielorten, die von einer zurückgelassenen Skulptur bis zu einem Museum reichen können. Ihre Forschung geht darüber hinaus und fragt auch nach Konzepten von Institutionen.

http://die-institution.org/

https://vimeo.com/herbordtmohren

hg

Helen Varley – Fragen, Gedanken, Strategien / The MagdalenaProject, Faces und Electictechcarnival als Beispiele feministischer Netzwerke und ihrer Räume.

Gemeinsamkeiten dieser Netzwerke sind…

…die Auseinandersetzung mit feministischen und technischen Fragestellungen

…Selbstorganisation

…flache Hierarchien

….geringe Budgets

…eine reduzierte Infrastruktur, deren Verbreitung mehr auf Mund-zu-Mund-Propaganda als einer großen PR-Maschinerie basiert.

In den so entstehenden (Gegen)Räumen…

… entsteht Mitgliedschaft durch Einbringung…

…kommen Menschen von selbst zusammen, die diese Räume suchen und brauchen…

…werden Feedback, Kommunikation und Austausch wertgeschätzt…

…sind Männer nicht willkommen, die als Männer geboren wurden, sich so identifizieren und in keinerlei Weise versuchen, Frauen zu sein…

…kann man entspannen, Kraft tanken und sich bewusst werden, warum es wichtig ist, die Kämpfe zu kämpfen, die gekämpft werden…

…werden Gemeinschaft, Solidarität und Großzügigkeit praktisch.

Virulent werden hier Ideen und Fragestellungen wie:

Wie hat sich die Idee von „Frausein“ gewandelt?

Wo spielen welche Gender-Identitäten welche Rolle?

Wie kann Arbeit von Frauen dokumentiert werden?

Wie ist das Verhältnis von bestehenden Strukturen und selbst-geschaffenen?

Werden feministische Themen dadurch feministisch, dass sie von Feminist*innen bearbeitet werden?

Wollen wir Institutionen besetzen oder bekämpfen?

Wie schaffen wir es, dem Wunsch nach Hierarchien nicht nachzugeben?

Wie können wir im patriarchalen System (über)leben?

Wie kann die eigene Macht(position) kontinuierlich in Frage gestellt und bestenfalls abgegeben werden?

Weiterführende Links:

www.themagdalenaproject.org

www.faces-l.de

www.electictechcarnival.org

#themagdalenaproject

jf

Jörg Thums – Intervention und Fiktion

Im dritten Impuls stellte Jörg Thums seine Arbeit mit dem Institut für Alltagsforschung vor, das seit 2013 existiert. Hierbei beschäftigt er sich zusammen mit seinen Kollegen mit Alltagsinterventionen durch ortsspezifische Arbeiten. Im Zentrum steht die Produktion einer Internetserie, die dann im Zielmedium – Internet – veröffentlicht wird und somit für alle zugänglich ist. Die Idee des Plots bringt Thums in groben Zügen mit, diese wird dann aber mit freiwilligen Teilnehmer*innen weiterentwickelt, so dass deren eigene Lebenserfahrungen mit eingebracht werden können. Das Format der Fernsehserie habe außerdem das Potential, die Welt jederzeit anders darstellen zu können.

Die Partizipation der Teilnehmenden bezieht sich, auch durch die kurze Produktionszeit von im Schnitt vier bis zehn Tagen, auf die Position der Darstellenden. Technik und Produktion werden vom Institut für Alltagsforschung übernommen. Drehorte finden sich im öffentlichen Stadtraum, wodurch ein Eingriff in das urbane Leben stattfindet und somit die vorgefundene räumliche und soziale Ordnung hinterfragt und manipuliert wird (siehe auch Theater als Intervention in: Theater der Zeit, Recherchen 121). Ihre Arbeit bezeichnen irreality.tv als Soapifizierung – was wäre, wenn die Welt eine Fernsehserie sei.

Wie passend in einem Impuls über Interventionen: Die Moderation intervenierte zu früh in Thums Vortrag, bevor er den Trailer zur aktuellen Arbeit NACHTWACHE zeigen konnte.

P.S. Jörg Thums appellierte auch daran, dass auf YouTube nicht nur „Quatsch” stehen müsse, sondern auch künstlerisch anspruchsvollere Position abseits von VIMEO publiziert werden sollten.

http://irreality.tv/

http://alltagsforschung.org/static/organisation/bios.html

https://www.theaterderzeit.de/buch/theater_als_intervention/

https://www.youtube.com/channel/UC8aJOj5bTZ0Ii9zh1Sr7c5Q

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wien/service/967654_Elfenbeinflucht-in-Ottakring.html

mn